Fiktion 1. Mobilität

Torsten König, Dresden, 22.05.2021

Das Jahr 2035

Meine Eltern sind jetzt beide über 75. Sie leben in einem Eigenheim auf dem Lande. Ihr altes Benzin-Auto haben sie noch rechtzeitig verkauft, denn sie brauchten es nur noch zum Einkaufen, für Ausflüge oder für Besuche beim Arzt.

Die Hälfte des Geldes und die 50 Euro, die sie monatlich für das Benzin ausgegeben haben, haben sie in die Mobilitätsgenossenschaft des Ortes eingezahlt. Dafür  können sie sich jetzt, wann immer sie wollen, ein Solarmobil bestellen.

Ein Anruf, wie früher beim Taxi, genügt und 10 Minuten später ist es da. Es fährt selbstständig und könnte meine Eltern auch ohne ihr Zutun transportieren aber mein Vater ist schon immer gerne Auto gefahren. So kann er den Autopiloten auch ausstellen und den Wagen selbst fahren. Dass Assistenzsystem unterstützt ihn natürlich dabei. 

Die Reichweite des Autos ist beinah unbegrenzt, denn der Speziallack des Fahrzeugs besteht aus vielen kleinen Solarzellen, die das Tageslicht direkt in Strom zum Fahren umwandeln. Sobald das Solarmobil abgestellt wird, lädt es seinen Pufferspeicher, damit es auch nachts fahren kann.

Wenn meine Eltern das Mobil länger als eine Stunde nicht nutzen, geben sie es frei. Dann fährt es zum  Nächsten, der es in der Nähe benötigt. Auf diese Weise braucht keiner im Ort mehr ein eigenes Auto.  Das hat nicht nur die Zahl der Fahrzeuge im Ort drastisch reduziert, es müssen dadurch auch kaum  noch Autos auf Parkplätzen abgestellt werden, denn sie sind tagsüber fast immer im Einsatz. Das Dorf hat deshalb schon die meisten Parkplätze an den Straßen abgeschafft und stattdessen überall breite Radwege oder kleine Nischen als Treffpunkte angelegt. 

Meine Eltern haben die große Garage, die auf dem Grundstück viel Platz wegnahm, mit Hilfe der Nachbarn abreißen lassen. Die alten Ziegel und den restlichen Bauschutt konnten die Nachbarn gut  verwenden. Die frei gewordene Fläche hat meine Mutter gleich mit viel Liebe zu einem  wunderschönen Garten umgestaltet. Der wird sich später einmal selbst versorgen, damit meine  Mutter nicht so viel Arbeit damit haben muss. Aber das ist eine andere Geschichte. 

Torsten König
Dresden, 22.05.2020

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