2035: Nele wandert mit ihrem Großvater

Dialog von Margrit

„Nele, willst du mitkommen zum Wandern?“, fragt der alte Herr.
Er hat seinen Wanderstock mit den schönen Wappen schon in der Hand.
„Echt, darf ich, Opa?“
„Ja, aber nicht in den Sandalen! Zieh dir bequeme feste Schuhe an.“
„Hier, diese braunen Halbschuhe, die sind doch gut, oder?“
„Jawohl. Dann gib mir dein Trinken und die Brotdose.“
„Die stecke ich in meinen eigenen Wanderrucksack.“, protestiert Nele. „Ich bin doch kein Baby.“

Eine Weile marschieren sie schweigend.

Puh, ist das anstrengend, so steil bergauf“, stöhnt Nele.
„Ja, aber von da oben hat man eine tolle Aussicht.“, verspricht der Opa. „Du wirst es gleich sehen.“
„Mensch, kann man hier weit gucken,“ staunt Nele. „Aber warum sind denn die Bäume noch so klein?“
„Vor 15 Jahren war hier noch ein Fichtenwald.“, erklärt der Großvater. „Fichten -, sind das die Bäume, die in Mamas Kindheit als Weihnachtsbaum genutzt wurden?“
„Genau, Nele.“
„Und dafür hat man alle abgeschlagen?“
„Aber nein“, lacht der alte Herr, „die sind Anfang der 20er Jahre vertrocknet und teilweise auch verbrannt.“
„Ach so, war das von dieser Klimakrise?“
„So hat man das damals genannt.“, bestätigt der Großvater.
„Wie hat man das geschafft, dass der kaputte Wald wieder gewachsen ist?“
„Man hat das alte tote Holz liegen lassen. So konnte die Sonne den Boden nicht erreichen und ihn nicht ausdörren. Und in das Gewirr von Stämmen und Zweigen konnten die Rehe nicht eindringen.“
„Warum durften denn die armen Rehe nicht ran?“
„Rehe fressen sehr gern junge Blätter, aber dann können die Bäume nicht wachsen.“
„Wie sind denn dann die Samen überhaupt bis in die Erde gekommen?“
„Totes Holz vermodert zu fruchtbarer Erde und darauf können neue Pflanzen wachsen.“
„OOOH, guck mal! Meinst du so was? Hier wächst eine klitzekleine Eiche einfach aus einem kaputten Baum heraus. Ist das süß!“
„Genau, die Natur weiß sich zu helfen, wenn der Mensch sie in Ruhe lässt.“
„Aber wenn nun wieder alles verbrennt?“ sorgt sich Nele zu Recht.
„Das wird jetzt hoffentlich viel seltener passieren. Wir erzeugen ja kaum noch CO2.“
„Was für ein Glück, dass ihr damals im Jahr 2021 gute Politiker gefunden habt, die die Welt gerettet haben.“
„Na, ganz so einfach war das nicht. Aber ich bin auch froh, dass ich rechtzeitig mal wieder wählen gegangen bin.“
„Für dich alten Opa ist es auch viel gesünder, wenn es nicht mehr so heiß ist,“ scherzt Nele.

Sie bekommt einen liebevollen Klapps und dann geht’s weiter.

Zur Startseite


Mehr Zukunftsgeschichten

Sommer am See

Ein Ausflug nach Lützerath und die Erinnerung an frühere Proteste… Eine Erzählung von Katharina
Weiterlesen …

Ein Tag im Jahr 2035

Ein wunderschöner Frühlingstag in einer menschlicheren, vielfältigeren Welt mit viel mehr Miteinander und weniger Hektik…
Weiterlesen …

Verkehrswende

Mobilität der Zukunft – vernetzt, digital und nachhaltig! Eine Idee von Martin
Weiterlesen …

Louis und Oma

Hamburg, wie es sein wird, erleben wir in einem Dialog zwischen Louis und seiner Oma
Weiterlesen …

Hinterlasse einen Kommentar

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.